Rückblick auf 20 Jahre bzw. 30 Jahre THS
Persönliche Erfolge und Erfolge der Trainingsgruppe
Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des HSV Mühlacker hat mein Vater eine ewige Siegerliste aller Sportarten des HSVM zusammengestellt. Jetzt, wo ich selbst nicht mehr aktiv in das sportliche Geschehen eingreife, glaube ich, ist es ein guter Zeitpunkt, die THS-Erfolge zu veröffentlichen. Es gibt zwei Auflistungen: Zum einen die persönlichen Erfolge beginnend mit der ersten Meisterschaft im THS überhaupt im Jahr 1984, zu der über 60 weitere Eintragungen mit 14 unterschiedlichen Hunden dazukamen.
Zum anderen die Auflistung der von mir betreuten HSVM-Teams. Die beginnt erst mit dem Jahr 1994, weil ich von diesem Zeitpunkt ab mich für die Erfolge (mit-)verantwortlich fühle. Das heißt, dass ich als Trainer – und wir mit dem Beginn der 2000er-Jahren zunehmend mehr als Trainer-Team (zu denen auch die Experten dieser Plattform gehören) – aktiv das Training und die Wettkämpfe betreut und gesteuert haben.
Über 240 Eintragungen in 20 Jahren sind kein Zufall, dahinter steckt System. Das Wissen und die Erfahrungen im Umgang mit einer riesigen Vielzahl an Teams und Hunden sind die Basis von Mit-System-Trainieren. Bei den ganzen Erfolgen ist es wichtig anzumerken, dass in diesem Zeitraum auch sehr viel Teams trainiert wurden, die riesige Fortschritte gemacht haben ohne Medaillen auf Meisterschaftsebene zu gewinnen. Vielleicht waren das sogar die größeren Erfolge.
Die Bewertungen der Leistungen sollten in den jeweiligen zeitlichen Kontext eingeordnet werden. U. a. gab es mit den Prüfungsordnungen (vor 1986, 1986, 1998, 2002, 2007 und 2013) bzw. Ausführungsbestimmungen bei Meisterschaften Veränderungen, die sich im Verlauf der Jahre nicht ohne weiteres vergleichen lassen. Zwei Beispiele hierzu: 2000 Meter sind zwar heute immer noch genauso lang wie vor 30 Jahren, es ist aber ein großer Unterschied, ob mit Bauchschnallung gelaufen wird oder ohne. Erst seit 2005 dürfen Jugendliche bis 18 Jahre am Jugend-CSC teilnehmen, davor war das Limit bei 15 Jahren (1995 sogar 14 Jahre).
Hinter diesen fast endlosen Auflistungen stecken auch jede Menge Geschichten, die es sich zu erzählen lohnt. In loser Folge wird es deshalb Kommentierungen zu den einzelnen Leistungen und zu den jeweiligen Rahmenbedingungen geben.

= = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =

Sportjahr 1987
1987 ging es dann im THS zum ersten Mal in einen deutschlandweiten Vergleich. Die Kräfte von Derrick ließen nach und da Frieder sich früh in der Saison beim Basketball einen Trümmerbruch im Fußgelenk zuzog, beschlossen wir, dass ich mit Igor starten sollte. Durch das Leichtathletik-Training war ich inzwischen im Geländelauf nahezu unschlagbar.
Igor war eine absolute Kampfmaschine, er kannte gegenüber sich, aber auch gegenüber anderen keine Gnade. Dazu aber später mehr. Igor hatte zwar recht krumme Beine und im Hindernislauf war das absolute Limit bei 11 Sekunden, er kämpfte aber bis zum Umfallen. Trotz dieser Einschränkungen erreichte ich mit ihm zwei Mal 278 Punkte.
Bei der dhv-DM in Weiterstadt begann ich zuerst mit dem Geländelauf. Den ersten Kilometer biss Igor in Leine und zog so stark, dass ich ihn anschließend fast ins Ziel tragen musste. So ein unrhythmisches Rennen ist für jeden Läufer Gift, trotzdem waren wir am Ende Tagesbeste. Anschließend ging es zum Vierkampf. Der Gehorsam lief mit 57 Punkten sehr gut, im Slalomlauf war ich im ersten Durchgang mit einer 16,0 Sek. noch etwas vorsichtig. Im zweiten Durchgang lief ich dann den besten Lauf meines Lebens. An die 14,40 Sekunden bin ich später nie mehr herangekommen. Warum ich auf einmal so schnell war, konnte ich auch trotz Analyse der Videoaufzeichnungen nie richtig entschlüsseln.
Der Hürdenlauf war dann aber ein Desaster. Nicht die Laufzeiten, die waren gut. Doch im zweiten Durchgang war mitten auf dem Sportplatz eine Menschentraube, ungefäh 20 Meter in Laufrichtung unterhalb des Ziels. Dass sich unbeteiligte auf dem Sportplatz versammelten, war damals nichts Außergewöhnliches – heute wäre das undenkbar. Wie schon zuvor beschrieben, war Igor eine Kampfmaschine. Das äußerte sich darin, dass er nach dem Zieldurchlauf den Spurt weiter anzog, in die Menschen- und Hundemenge raste und Opfer suchte.Die anschließende Keilerei war nicht so schlimm, dass ein Hund hätte tierärztlich versorgt werden musste. Ich wollte aber den Wettkampf abbrechen, denn ich spürte, dass Igor nicht mehr unter Kontrolle zu halten war. Die kleinste Gelegenheit und er würde wieder zuschlagen. Hatte ein Hund einmal so ein „Erfolgserlebnis“ wird er schon bei viel geringeren Anlässen sein „Glück“ erneut versuchen. Mein Vater forderte aber von mir, den Wettkampf abzuschließen, mit der Begründung man könne einen Wettkampf nicht einfach so abbrechen.
Also gingen wir an den Hindernislauf. Der war relativ nahe an der Sportplatzbegrenzung, an der viele Hunde entlang liefen. Auf Grund der Ereignisse und unserer Reaktion darauf lief Igor ein schon sehr langsames Tempo. Als es dann aber auf den Laufdiel ging, blieb Igor fast stehen. Eigentlich nicht blöd. So hatte er eine erhöhte Position und einen besseren Ausblick auf neue Opfer. Mit entsprechenden Hörzeichen konnte ich ihn dann doch noch „on Track“ halten. Die Zeiten zwischen 19 und 20 Sekunden waren nebensächlich, hauptsächlich kein neuer Zwischenfall. Das Endergebnis interessierte mich ebenfalls nicht mehr.
Zwischen der dhv-DM in Weiterstadt und den swhv-Meisterschaften hatte ich noch die Süddeutschen Meisterschaften in der Leichtathletik. Zufällig waren sowohl die Leichtathletik-Jugend als auch die Hundesportler beides Mal im Heidenheimer Sportzentrum zu Gast.
Beim Laufen ohne Hund war die Konkurrenz auf einem ganz anderen Level, ich musste mich erst einmal hinten anstellen. 1985 nahm ich als 14-jähriger zum ersten Mal an Bezirksmeisterschaften teil. In dieser Zeit waren noch die Wettkämpfe mein Training. Bei einem Schulsportfest lief ich im Alleingang 3:22 Min. über 1.000 Meter. Damit qualifizierte ich mich in die Schulmannschaft für Jugend trainiert für Olympia. Bei diesem Wettkampf steigerte ich mich als Sieger auf 3:15 Min. Bei den Bezirkswettkämpfen kurz darauf reichte es trotz einer weiteren Steigerung auf 3:07 Min. „nur“ zum 6. Platz.
Mit dem Wechsel der Leichtathletik-Trainingsgruppe und einem entsprechend leistungsorientierten Training verbesserten sich die Leistungen weiter. 1986 war ich bei den Bezirksmeisterschaften schon Zweiter (jetzt aber über 800 Meter, da die B-Jugendlichen bei Meisterschaften keine 1.000 Meter mehr laufen), verpasste aber mit einer Zeit von 2:10 Min. trotzdem die Quali zu den Württembergischen Meisterschaften. 1987 habe ich dann die Quali zu den Württembergischen (bei denen ich dann Fünfter wurde) und Süddeutschen Meisterschaften mit einer Steigerung um über 5 Sekunden gleich im ersten Saisonrennen abgehakt. In Heidenheim lief ich dann wieder Bestzeit, allerdings fehlten mir in 2:02,98 Min. am Ende 4 Zehntelsekunden zum Einzug in das Finale der besten 8.
Für den Geländelauf lernte ich aus Weiterstadt, dass Igor nicht mehr in die Leine beißen und sich dabei auspowern sollte. Die Strecke war unheimlich bergig und anspruchsvoll. Davor wurde mir gesagt, dass auf dieser Strecke Zeiten unter 7 Minuten unmöglich wären. Im ersten Drittel wehrte ich Igor mit Worten, nicht in die Leine zu beißen. Er ließ dann irgendwann ab und hatte deshalb genug Kraft, durchzulaufen. Ich glaube, das war so ziemlich mein bester Geländelauf überhaupt, denn wir hatten am Ende 45 Sekunden Vorsprung auf den Zweitbesten des Tages. Mit 7:01 Minuten verfehlten wir die Schallmauer nur knapp. Im Nachgang gab es dann Proteste, die vom Verbandspräsidenten Rainer Gerstlauer lanciert an meinem Vater herangetragen wurden. Dass ich Igor mit Worten wehrte passte einigen nicht und die wollten mich disqualifiziert sehen. Anstatt mich zu verteidigen, hat mein Vater – er war ebenfalls im swhv-Präsidium und war für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich – mich ebenfalls zur Rede gestellt. Mein Bruder und meine Mutter stärkten mir dann den Rücken. Der Protest versandete.
Im Vierkampf lief der Gehorsam wieder sehr gut (58 Punkte). In den Laufdisziplinen versuchten wir, Igor keine weitere Gelegenheit zu einer weiteren Rauferei zu geben. Auch dieses Mal reagierte man mit Unverständnis, weil mein Bruder versuchte, den Zielauslauf frei zu halten. Es wurde uns unterstellt, dass wir uns einen Vorteil verschaffen wollten. Ich will an dieser Stelle das Verhalten von Igor nicht schönreden, bin mir aber sicher, dass es in ähnlichen Situationen auch heutzutage bei Meisterschaften mit einigen Hunden Probleme geben würde. Der Hürdenlauf war schnell, im Slalomlauf liefen wir zwei Mal eine Zeit um 15,0 Sek. Da der Hindernislauf wieder an der Sportplatzbegrenzung war, war ich auf alles gefasst. Igor lief zwar schneller als in Weiterstadt, der Laufdiel war aber erneut das neuralgische Hindernis, an dem er das Tempo herausnahm. Zeiten im 13-Sekunden-Bereich brachten mir 4 Punkte weniger als bei den Kreismeisterschaften 3 Wochen zuvor, trotzdem erreichten wir am Ende 278 Punkte und Platz 1.
Im Herbst 1987 wurde Derrick im Alter von 10 Jahren nochmals reaktiviert. Das hing mit einer Einladung der German Masters zusammen, weltweit eines der größten internationalen Reitturniere, das in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyerhalle ausgetragen wird. Wir waren engagiert um zwischen den großen Springen das Rahmenprogramm zu füllen. Der Hundesport von damals konnte den Erwartungen der Organisatoren nicht Adäquates bieten, das in nur 10 Minuten Show und Action miteinander verbindet. Deshalb wurde von meinem Vater der CSC entwickelt. Trotz seines Alters war die Sektion 2 für Derrick immer noch auf höchstem Niveau machbar, Szenenapplaus spiegelte das wider. Wenige Wochen später waren wir dann schon in der Wiener Stadthalle, da der Österreicher Thomas Frühmann unmittelbar nach seinem Sieg im Jumping Masters in Stuttgart unsere Show-Nummer sah und uns kurzer Hand zu seiner Heimveranstaltung einlud. Auch dort zeigte Derrick eine tadellose Leistung. Im darauffolgenden Frühling ließen die Kräfte von Derrick rapide nach. Von epileptischen Anfällen geplagt erlebte er den Sommer nicht mehr.

Sportjahr 1986
Im Frühjahr ging es gleich mit der nächsten VPG-Prüfung weiter. Da man mit einem zurückgestuften Hund nicht mehr aufsteigen durften, starteten wir noch mal in SchH 1. Sowohl in der Fährte (98) als auch im Gehorsam (96) und im Schutzdienst (94) lieferten wir Ergebnisse am Maximum. Zusammen ergab das 290 Punkte, was uns wieder den Leistungspokal sicherte.
Als es in die Vorbereitung auf die Herbstprüfung ging merkten wir, dass der Biss im Schutzdienst und Kraft im Allgemeinen für eine Prüfung auf so hohem Niveau nicht mehr ausreichte und beendeten Derricks VPG-Karriere.
1986 gab es im THS dann endlich eine Prüfungsordnung, bei der sich im Vierkampf Leistung auch lohnte. Der Hürdenlauf war 2 x 50 Meter lang und man lief über 50-Zentimeter-Hürden - alle Alterklassen, Slalomlauf- und Hindernislauf waren – bis auf einige Modifikationen an den Hindernissen - analog zum heutigen VK 3. Je schneller man lief, desto mehr Punkte konnte man erreichen. Allerdings wurde nach jeder Disziplin die Punkte vergeben. Gegenüber heute (Ermittlung der Gesamtlaufzeit aller Laufdisziplinen) konnte man bis zu drei Punkten verlieren. Zudem zählte bei Punktgleichheit der schnellere Hindernislauf.
Da mein Bruder Frieder und ich jetzt beide bei den Junioren (15 bis 18 Jahre) liefen, entschieden wir, dass ich im Geländelauf die 5.000-Meter machen sollte, um ihn über die 2.000-Meter aus dem Weg zu gehen. Er war zu dieser Zeit in jedem Wettkampf Tagesbester.
Bei den swhv-Meisterschaften in Wyhl war dann mein Gehorsam nicht optimal, trotzdem lieferten wir 282 Punkte ab. Frieder machte mit Igor dagegen den besten Vierkampf seines Lebens. Gegen die 285 Punkte hatten wir keine Chance.
In meinem Sportpass ist noch eine außergewöhnliche Leistung im Hindernislauf von den Kreismeisterschaften zu finden. Dort startete ich mit Senta, dem schnellsten Hund damals in unserem Verein. Die Zeit von 18,39 Sekunden kann ich nicht einschätzen. Ich kann mich nicht mehr an den Ausrichter und die dortigen Bedingungen erinnern, gehe aber davon aus, dass dort etwas begünstigte Bedingungen geherrscht haben.


Sportjahr 1985
1978 nahm ich mit 7 Jahren an meinen ersten Hindernislauf-Turnieren teil (u.a. in Mühlacker und München), mit 10 Jahren folgten die ersten Geländeläufe. Im Hundesport richtig los ging es aber erst Ende 1984 mit meinen ersten Vierkämpfen mit Derrick. Damals startete ich noch in der Jugend-Klasse (bis 14 Jahre).
Derrick war ein außergewöhnlicher Boxer und vor allem der schnellste Boxer, den ich bis heute gesehen habe. Bereits mit 10 Monaten machte er seinen ersten Hindernislauf (Ende der 1970-iger Jahre gab es noch kein Mindestalter) und in seinen besten Jahren lief er unter 9 Sekunden.
Das ist umso höher einzustufen, da der Hindernislauf damals noch die Treppe und einen anderen Laufdiel hatte (mit Stufe im Aufsprung und 10 Zentimeter schmäler). Selbst die schnellsten Hundeführer kamen zu dieser Zeit in gebührenden Abstand zu ihm ins Ziel. Mit 10 Jahren war er dann immer noch aktiv in den ersten CSC-Show-Wettkämpfen in der Stuttgarter Schleyerhalle und in der Wiener Festhalle.
Bei den Hunden der Familie Heidinger handelte es sich durchweg um Boxer. In der Regel hatten wir immer zwei Hunde, einen jüngeren und einen älteren, damit wir nicht irgendwann gleichzeitig zwei alte Hunde hatten. Das Haus meines Onkels und das meiner Eltern hatten einen gemeinsamen Garten. Die Hunde waren Familienhunde und in beiden Häusern zu Hause. Eine Person war trotzdem der primus inter pares und bei Derrick war es mein Onkel. Er macht mit ihm SchH-Sport (heute VPG), im THS startete er zu Beginn mit meiner Cousine. Später übernahm ihn im THS mein Bruder Frieder. Als Frieder dann seinen eigenen Hund Igor bekam, durfte ich mit Derrick arbeiten.
1985 war Derrick bereits 8 Jahre alt und eigentlich dachte jeder, dass seine Blütezeit schon lange vorbei war. Mir war das egal. Ich war froh, endlich mit einem fest zugeordneten Hund arbeiten zu können. Derrick war nicht der kernige, harte Typ und es bedurfte viel Einfühlungsvermögen, diesen Hund und dann noch in diesem Alter, wieder zu motivieren.
In Karlsbad waren 1984 und 1985 die ersten THS-Meisterschaften überhaupt. Alle Disziplinen liefen parallel, es gab während des Wettkampfes keine Gruppeneinteilungen. Das Prinzip eines geregelten Ablaufes in Gruppen mit vorgeschriebenem Zeitplan wurde erst mit der dhv-DM 2003 in Mühlacker unter heftigem Widerstand einiger Funktionäre eingeführt. Keine konnte sich vorstellen, dass so etwas funktionieren kann. Die Prüfungsordnung war im Vierkampf damals noch wenig auf Leistung ausgelegt. Man konnte maximal 150 Punkte erreichen, egal wie schnell man rannte, da man schon mit mittelmäßigen Laufzeiten das Punktelimit erreichte.
Umso wichtiger war der Gehorsam. Das Wiesengelände mit den langen Stoppeln um den Karlsbader Hundesportverein behagte Derrick weniger, sodass er bei Sitz lieber stehen blieb. So sind die Punktabzüge und der zweite Platz zu erklären.
Anschließend ging es zum Geländelauf. Irgendjemand sagte mir, dass ein Läufer meiner Altersklasse bereits unter 7 Minuten geblieben ist. (Und das ohne die heute übliche Bauchschnallung. Bei Meisterschaften ist sie erst seit 2007 zugelassen.) Zwar hatte ich eine Zeit von 7:25 Minuten vom Ostermontagslauf in Vierheim stehen (zu dieser Zeit die größte Laufveranstaltung im THS), doch die Strecke dort war auf einem ebenen Trim-Dich-Pfad. Deshalb schockte mich die Nachricht so, dass ich mit 7:40 Minuten weit unter meinen Möglichkeiten blieb. Im Nachhinein weiß ich gar nicht mehr, ob die Gerüchte um die Siegerzeit tatsächlich gestimmt haben.
Beim Blick in die Ergebnisliste habe ich in der AK 10 auch Steffen Schmitt mit einem ersten Platz entdeckt. Steffen kam als Kind und Jugendlicher mit seinen Eltern und seinem Bruder Dirk zu uns zum HSVM. Nach einer längeren Hundepause - es hatte ihn beruflich mittlerweile in den Großraum Heidelberg verschlagen - schloss er sich dem VdH Sandhausen an. 2010 und 2011 legte er dann mit zwei dhv-Titeln im Vierkampf nach. In der AK 11 belegte über 2.000 Meter zudem Kerstin Lehmann den ersten Platz. Heute heißt Kerstin nicht mehr Lehmann, sondern Hagenbuch und ist mittlerweile Vorstand des VdH Knittlingen sowie eine sehr erfolgreiche Hundeführerin im Obedience. Sieht führt immer noch (Riesen-)Schnauzer, so wie es ihr Vater – über den Sie zum Hundesport kam – auch tat. Dazwischen lagen auch einige Jahre ohne Hundesport.
Kurze Zeit später konnte ich beweisen, dass ich deutlich mehr Ausdauer hatte. Es war mal wieder Freitag und ich ging ins Leichtathletik-Training. Zu dieser Zeit war das kein leistungsorientiertes Training, sondern ein bisschen Rennen, Hüpfen und Werfen wie man Lust und Laune hatte. Als ich ins Stadion kam – damals noch mit Aschenbahn – wunderte ich mich, dass viele Sportler von anderen Vereinen da waren. Bald erfuhr ich, dass die Langstrecken-Kreismeisterschaften ausgetragen wurden. Sven, ein Langstreckenläufer aus Oberderdingen, überredete mich, die 2.000-Meter-Strecke in der Schülerklasse mitzulaufen. Er lieh mir sogar eine kurze Hose aus. Es sollte sich für mich bezahlt machen. Nachdem ich 1.900 Meter auf Position 2 blieb überspurtete ich Sven und lief in 6:56 Minuten ins Ziel.
Einige Wochen später trafen wir uns wieder bei den Waldlaufmeisterschaften. Sven hatte inzwischen ein 3.000-Meter-Rennen in 10:30 Minuten absolviert (also mit einer Durchgangszeit von 7 Minuten auf die 2.000 Meter) und ein weiterer Vereinkollege von ihm, gegen den ich über 1.000 Meter immer das Nachsehen hatte, war ebenfalls am Start. Es standen 2 Runden ŕ 1.000 Meter auf dem Programm. Am Anfang hatte ich Mühe, an den beiden dran zu bleiben, doch schon mit Beginn der zweiten Runde war ich in Führung und gab die bis zum Ziel nicht mehr ab.
Damit war der Herbst aber noch nicht zu Ende. Zuerst machte ich die Begleithundeprüfung. Nachdem Derrick sich im Gehorsam ganz gut entwickelte, überlegten wir, dass ich mit ihm auch im VPG starten könnte. Er war mit meinem Onkel häufiger in der Stufe 3 gestartet, ihn als 8-jährigen Hund ließen wir aber in die Stufe 1 zurückstufen.
Die ergänzenden Übungen wie Apportieren und das Voraussenden ließen sich ganz gut mit dem seitherigen Training verbinden. Bei einem guten Schutzdiensthelfer (und den hatte ich mit meinem Bruder) und einem Hund, der einen gut ausgeprägten Beutetrieb hatte, muss man als Hundeführer gar nicht so viel tun. Etwas umgekehrte Vorzeichen waren in der Fährte. Davon hatte ich eigentlich gar keine Ahnung (und bis heute nicht viel mehr). Trotz des Trainings mit meinem Onkel meinten Außenstehende in der Prüfung, dass Derrick mit mir fährten ging und nicht umgekehrt. Am Ende hatten wir nach unserer ersten Prüfung 282 Punkte (93/92/97) auf dem Konto und wurde mit dem Leistungspokal für das beste VPG-Ergebnis eines HSVM-Starters des Jahres 1985 ausgezeichnet. Der HSVM hatte zu dieser Zeit eine recht starke VPG-Gruppe und nicht jeder gönnte mir den Erfolg. Zum ersten Mal spürte ich Neid. Ein 14-jähriger, der mit einem fertig ausgebildeten Hund an den Start ging, schnappte den eingefleischten VPG’lern den Pokal weg. Einige Jahre hielten sie es noch beim HSVM aus, doch sukzessive wechselten sie dann zum SV. Dort war der Übungsplatz nicht überflutet mit Hunden aller Arten, sondern man war unter sich.
Einer davon war mein Partner im Gehorsam. Ich erinnere mich, dass sein Rottweiler eine recht trostlose Figur machte, er pinkelte sogar über das Apportierholz. Als ich Derrick aus dem Platz abrief, weckte ich ihn wohl auf, denn er Stand aus dem Ablegekreis auf. Ich hätte zu intensiv das Hörzeichen „Hier“ gerufen, beklagte er sich anschließend. Klar, schuld sind immer die anderen.
<
>